Massivhaus als Effizienzhaus bauenSchon seit vielen Jahren müssen beim Hausbau Energiestandards eingehalten werden. Konkret handelt es sich dabei um die Energieeinsparverordnung (EnEV), das Erneuerbare Energien Wärmegesetz (EEWärmeG) sowie einige weitere Normen. Ihre Vorgaben sind für alle Bauherren obligatorisch, sodass Bauherren, die ihr Haus nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung baut, bereits ein energieeffizientes Eigenheim errichtet. Ein darüber hinausgehender Aufwand für den energieeffizienten Hausbau wird durch Förderprogramme der KfW belohnt.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat zusammen mit der Deutschen Energieagentur GmbH (dena) sowie dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) feste Qualitätskriterien entwickelt, die ein Haus erfüllen muss, um im Rahmen der Förderprogramme Energieeffizient Bauen und Energieeffizient Sanieren als Effizienzhaus klassifiziert zu werden.

Hierbei ist die Höhe des sogenannten Jahres-Primärenergiebedarfs im Verhältnis zu einem vergleichbaren Neubau gem. den Vorschriften der EnEV maßgeblich (in %). Mit dem Jahresprimärenergiebedarf ist die Summe der Energie gemeint, die innerhalb eines durchschnittlichen Jahres im Effizienzhaus zum Heizen, zur Herstellung von warmem Wasser sowie zum Lüften benötigt wird. Zur Unterscheidung der einzelnen Effizienzhaus-Klassen wird hinter das Kürzel "KfW" eine Zahl angefügt (z. B. KfW 40). Je kleiner diese Zahl ist, umso hochwertiger ist das damit bezeichnete Effizienzhaus.

 

Förderangebote für KfW-Programme „Energieeffizientes Bauen (153)“ seit 01.04.2016

Die KfW erneuerte mit Wirkung zum 01.04.2016 ihre Förderstandards für das Programm „Energieeffizientes Bauen (153)“. Damit trägt sie  den gestiegenen energetischen Anforderungen an Wohngebäude nach der Novellierung der EnEV (Energieeinsparverordnung) Rechnung. Zudem unterstützt sie damit die von der Bundesregierung vorgegebene energiepolitische Orientierung im Hinblick auf den Klimaschutzplan 2050.

 

Effizienzhaus 70 ist seit 01.04.2016 Standard für den Neubau

Mit Wirkung vom 01.01.2016 trat die überarbeitete EnEV mit höheren energetischen Anforderungen an Wohnungsneubauten in Kraft. Das seit 2009 von der KfW geförderte Energieeffizienzhaus 70  entspricht seitdem dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandard für neue Wohngebäude in Deutschland. Die KfW hat zwischen den Jahren 2009 und 2015 mehr als 420.000 Wohnneubauten mit dem Standard Effizienzhaus 70 gefördert. Um Programmbedingungen und Zinskonditionen zu sichern, konnten noch bis zum 31.03.2016 Anträge zur Förderung dieses Hausstandards gestellt werden.

 

KfW-Effizienzhäuser 55, 40 und 40 Plus

In den Förderangeboten verblieben die Standards für KfW-Effizienzhäuser 55 und 40. Darüber hinaus hat die KfW ab dem 01.04.2016 ein Förderangebot mit einem Tilgungszuschuss für das KfW-Effizienzhaus 40 Plus eingeführt. Die Besonderheit dieses Standards ist, dass über die Voraussetzungen des KfW-Effizienzhauses 40 hinaus ein Großteil des Energiebedarfs direkt am Wohngebäude oder in seiner unmittelbaren Nähe erzeugt und gespeichert werden muss.

KfW-Effizienzhäuser 40 Plus erzeugen nach den geltenden Voraussetzungen eigenständig Strom aus erneuerbaren Energienquellen und speichern diese gewonnene Energie in einem stationären Speichersystem. Außerdem müssen sie über Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung ausgestattet sein. Gefordert wird des Weiteren die Darstellung von Stromerzeugung und Energieverbrauch durch Benutzerinterface.

Darüber hinaus wird seit dem 01.04.2016 mit dem „KfW-Effizienzhaus 55 nach Referenzwerten“ ein vereinfachtes Nachweisverfahren für KfW-Effizienzhäuser 55 angeboten. Bei diesem Standard wird zugelassenen Sachverständigen die Möglichkeit gegeben, aus standardisierten Maßnahmepaketen für Haustechnik und Gebäudehülle zu wählen.

Förderbeträge, Zinsbindung und Tilgungszuschüsse

  • Förderhöchstbetrag maximal 100.000,00 € pro Wohneinheit. 
  • Zinsbindung von 20 Jahren für Kredite mit 20 Jahren und 30 Jahren Laufzeit. 
  • Der bislang drei Monate währende Zeitraum für den Einsatz der Darlehensmittel wurde auf sechs Monate verlängert.
  • 12 Monate Abruffrist nach Kreditzusage ohne Bereitstellungsprovision. Sie kann für jeweils 6 Monate um maximal 24 Monate verlängert werden.
  • Tilgungszuschuss von 5.000 € (Effizienzhaus 55) bis zu 15.000 € (Effizienzhaus 40 Plus)

Seit dem 01.04.2016 wird die energetische Fachplanung sowie Baubegleitung für Neubauten mit dem Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Baubegleitung (431)“ durch Sachverständige gefördert.

 

KfW-Effizienzhaus: Wo liegt der Unterschied zu einem "normalen" Wohngebäude?

Beim Neubau eines Wohnhauses werden bereits in der EnEV (Energieeinsparverordnung) Vorgaben gemacht, wie das Gebäude energetisch auszurichten ist. Der Jahres-Primärenergiebedarf (Heizen, Kühlen, Warmwasser, Lüftung) des Hauses darf hiernach den eines Referenzgebäudes nicht überschreiten. Da Effizienzhäuser jedoch den Jahres-Primärenergiebedarf im Vergleich zu einem Neubau unterschreiten müssen, können diese strengeren Maßstäbe nur mit dem Einbau von energiesparenden Maßnahmen eingehalten werden. Effizienzhäuser verfügen daher über eine 3-fache Verglasung der Fensterelemente, eine sehr gute Isolierung zur Verhinderung von klassischen Kältebrücken an Fensterbänken, Türrahmen und Fensterrahmen sowie häufig über kleine Vorflure (Windfänge), um im Winter die kalte und im Sommer die warme Luft draußen zu halten. Eine ebenso große Rolle bei der Beheizung und Belüftung der Effizienzhäuser spielt der Einsatz von Wärmetauschern, die zunächst der Abluft die Wärmeenergie entziehen und sie anschließend an die von außen zugeführte Frischluft übergeben. Der Bau eines KfW-Effizienzhauses ist also mit Kosten verbunden, die unbedingt vorab von einem Experten berechnet werden sollten.

Es lässt sich tatsächlich schwer einschätzen, ob es sich lohnt, das Eigenheim so zu planen, dass es so energieeffizient wie möglich ist. Um einen hohen KfW-Effizienzhausstandard und damit auch die besten KfW-Kreditkonditionen zu erhalten, muss nicht nur erheblich mehr Geld für den Bau ausgegeben, sondern auch mit bestimmten Betriebskosten gerechnet werden. Am Beispiel der Lüftungsanlage, ohne die kein energetisch hochwertiges Haus auskommt, soll diese Überlegung verdeutlicht werden.

 

Mit diesen Kosten sollte beim Einbau einer Lüftungsanlage gerechnet werden

Bauherren haben grundsätzlich die Wahl zwischen einer reinen Abluftanlage und einer Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung. Letztere ist die energetisch leistungsfähigere Variante, der Vollständigkeit halber sollen hier jedoch beide Möglichkeiten einander gegenübergestellt werden.

Abluftanlagen werden in Aufenthalsträumen wie dem Wohn-, Schlaf-, Arbeits-oder Kinderzimmer installiert. Sie sorgen dafür, dass diejenige Menge Abluft, die dem Raum entzogen wird, als Frischluft wieder zugeführt wird. Bei einer dezentral konzipierten Anöage wird mitilfe von Durchlässen für die Außenluft ein gleichmäßiger Austausch erreicht. Bei einem Einfamilienhaus durchschnittlicher Größe kosten Abluftanlagen dieses Typs etwa 2.500 Euro (Investitions- und Montagekosten). Handelt es sich jedoch um eine zentrale Abluftanlage, ist der Aufbau eines Leitungsnetzes nötig, das die Kosten deutlich in die Höhe treibt: Etwa 8.000 Euro sind dann für die Anschaffungs- und Montagekosten nötig.

Die energetisch bessere Wahl ist eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung. Sie hat keine Durchlässen, sondern arbeitet mit Zu- und Abluftventilen. Der Wärmetauscher sorgt dafür, dass mindestens 75 % der Wärme in der Abluft der kalten Zuluft zugeführt und so genutzt werden kann. Wenn eine dezentrale Anlage geplant wird, sollten für ein Einfamilienhaus Anschaffungs- und Montagekosten von 2.500 bis etwa 4.000 Euro eingeplant werden. Die nötigen Ventilatoren haben einen sehr geringen Stromverbrauch, der sich auf ca. 10 Euro pro Jahr beläuft.

Die effektivste Wärmerückgewinnung wird allerdings mit einer zentralen Anlage erreicht. Hierfür muss jedoch das Gebäude mit Lüftungskanälen ausgestattet werden, sodass bei einem Einfamilienhaus mit Gesamtkosten von etwa 12.000 Euro gerechnet werden sollte.

 

Unabhängige Fachleute gehen davon aus, dass eine zentrale Zu- und Abluftanlage mit einem Wärmetauscher für ein Einfamilienhaus mit einer Größe von 120 m2 pro Jahr den Gegenwert von 100 bis 150 Litern Heizöl einspart. Angesichts des derzeitigen Heizölpreises von um 0,50 Euro (Stand: September 2016) brauchen Eigenheimbesitzer einen sehr langen Atem, bis sich ihre Anlage amortisiert hat. Wenn sie jedoch ein energetisch hochwertiges Eigenheim haben möchten, führt an dieser Technik kein Weg vorbei. Deshalb sollten sich Bauherren, die nicht über baufachliche Kenntnisse verfügen, immer einen Experten hinzuziehen, wenn es darum geht, die Vorteile eines KfW-Effizienzhauses den Nachteilen gegenüberzustellen. Das Ergebnis kann aus ökonomischer Sicht durchaus sein, dass eine KfW-Förderung nicht ausreicht, um eine Entscheidung für ein Effizienzhaus zu treffen.

 

Tipp:
Sie finden unter www.kfw-effizienzhaus-bauen.de ausführlichere Informationen!

 

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